1. Das Wiegenfest zu Gent
Language:
German
Authorship
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Italian
(Amelia Maria Imbarrato)
Es steht eine gold'ne Wiege
am Fuß des Herrscherthrons,
der Fürst beschaut die Züge
des neugebornen Sohns.
Rings an des Thrones Wänden,
den Mund an Wünschen reich,
stehn, nicht mit leeren Händen
die Grossen in dem Reich.
Frau Margareth die Holde
bracht' ihr Geschenk nun dar:
ein Kindlein war's von Golde
gar künstlich wunderbar.
Es ruht in des Kindes Händen
von klarem Kristalle so fein
ein Kelch voll schimmernder Spenden
an Perlen und Edelgestein.
Sie sprach: "O wahre immer
den Kindersinn so rein,
auf ird'schen Tand und Schimmer
blickst du dann lächelnd drein!"
Drauf trat der Wieg' entgegen
von Bergen der Dynast.
Er bracht' einen güldnen Degen,
mit seidener Schärp' umfaßt:
"Sei stark! dich schützend schwinge
die Kraft ihr Schwert von Erz!
Sei mild! die Mild' umschlinge
als weiches Band dein Herz!"
Dann trug zwei Himmelsgloben
der Astronom herein,
drauf Sonn' und Gestirn' erhoben
aus Schmelz und buntem Gestein:
"Nach oben schaue gerne,
blick' oft zum Licht hinauf,
dann nehmen wohl auch die Sterne
einst deinen Namen auf."
Es kam ein Prälat gegangen,
der eine BIbel trug
mit diamantenen Spangen
und gold'nem Deckel und Bug:
"Willst du in Schlummer dich neigen,
das süßeste Kissen ist dies!
Willst in dem Himmel du steigen,
die beste Staffel ist dies!"
Drauf nahte aheinz von Yssel,
das war des Herzogs Narr,
der bracht' auf grosser Schüssel
einen kleinen Kirschkern dar:
"Ein Samenkorn in der Erde,
dir, Wiegekind, ist es gleich!
Aus beiden kann noch was werden,
die Keime ruhen in euch!"
Er pflanzt' im Garten daneben
den Keim gar sorgsam ein,
das freilich konnt' er nicht geben,
was ihm noch fehlt zum Gedeihn.
Der Erde warmen Segen,
Tauperlen spät und früh,
und Sonnenschein und Regen,
die kamen, man weiß nicht wie?
Der Keim schoß auf zum Baume
gar reich an Laub und Frucht,
in dessen schattigem Raume
der Waller Labung sucht.
Das Kind, das die Wiege hüllte,
ein Mann ward's, Fürst und Held:
der fünfte Karol erfüllte
mit seinem Namen die Welt.
2. Kaiser Karl V. in Wittenberg
Language:
German
Authorship
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ITA
Italian
(Amelia Maria Imbarrato)
Ernst ritt der Kaiser in die heil'gen Hallen;
ein Hochgefühl schwellt seine Heldenbrust:
Die Veste ist in seine Hand gefallen,
und triumphirend ist er sich's bewußt.
Drommetenton und Waffenklang erschallen:
"Don Karlos lebe!" jauchzt die wilde Lust.
Die Lutherstadt erdröhnt vom Ruf der Krieger
und huldigt still und trauernd ihrem Sieger.
Und schweigend steht er in des Tempels Mauern,
und um ihn her der Führer stolze Schar,
ergriffen fühlt er sich von heil'gen Schauern,
und langsam naht sein Fuß dem Hochaltar,
er sieht es nicht, wie Alba's Blicke lauern,
denn vor ihm ruht ein fürstlich Bruderpaar;
ein Friedrich ist's, den man den Weisen nannte,
und ein Johann, der Menschenfurcht nicht kannte.
"Und Luther ruht hier an der Fürsten Seite?"
ruft Karl empört, "und hier im Gotteshaus?"
Und Alba grollt: "Dem Abgrund seine Beute!
Befiehl, Monarch: Grabt diesen Frevler aus!
Er ist der Quell von unserm blut'gen Streite,
sein Name füllt die Welt mit Schutt und Graus.
Er soll nicht mehr dies Heiligtum entweihen
laß seinen Staub in alle Winde streuen!"
Doch Karlos spricht mit ruhiger Geberde,
und himmelan hebt er die Herrscherhand:
"Mein Reich beschränkt ein kleiner Kreis der Erde,
und über uns glänzt der Vergeltung Land;
es ziemt mir nicht, daß ich sein Richter werde,
da droben er schon einen höhern fand!
So spricht mein Herz, dies, Alba, ist mein Glaube,
drum laß ihn ruh'n, und Friede seinem Staube!"
3. Der Pilgrim von St. Just
Language:
German
Authorship
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Nacht ist's, und Stürme sausen für und für,
Hispan'sche Mönche, schließt mir auf die Tür!
Laßt hier mich ruh'n, bis Glockenton mich weckt,
der zum Gebet mich in die Kirche schreckt!
Bereitet mir, was euer Haus vermag,
ein Ordenskleid und einen Sarkophag!
Gönnt mir die kleine Zelle, weiht mich ein,
mehr als die Hälfte dieser Welt war mein.
Das Haupt, das nun der Scheere sich bequemt,
mit mancher Krone ward's bediademt.
Die Schulter, die der Kutte nun sich bückt,
hat kaiserlicher Hermelin geschmückt.
Nun bin ich vor dem Tod den Toten gleich,
und fall' in Trümmer, wie das alte Reich.
Note: Holy Emperor Charles V (also King Charles I of Spain) abdicated in 1556 and retired to the monastery of San Jerónimo at Yuste.
4. Die Leiche zu St. Just
Language:
German
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ITA
Italian
(Amelia Maria Imbarrato)
Aus Sanct Justi Klosterhallen
tönt ein träges Totenlied,
Glocken summen von den Türmen
für den Mönch, der heut' verschied.
Seht den Toten! Wie von welkem Blute
schlingt ein roter Reif sich um sein Haupt;
ob einst drauf zur Buß ein Dornkranz ruhte!
Nein, die Krone lag auf diesem Haupt!
Die Kapuze zieht ein Mönch
ihm tief jetzt übers Auge zu,
daß die böse Spur der Krone
tief darin verborgen ruh'.
Einst das Scepter hielt sein Armerhoben,
rüttelte gleich dran die halbe Welt;
er hielt fest und fester es nach oben,
wie ein Fels, der eine Tanne hält.
Diese Arme beugt dem Toten
jetzt ein Frater zu Sanct Just,
drückt ein Kreuz darein und beugt sie,
ach so leicht! verschränkt zur Brust.
Wie des Regenbogens Himmelsstiege
glomm der Tag, der ihm das Licht beschied,
Kön'ge schaukelten da seine Wiege,
Königinnen sangen ihm das Lied.
Doch ein Mönchchor singt das Grablied
jetzt in alter Melodei,
wie er singt, ob Grabeslegung
oder Auferstehung sei.
Seht, die Sonne sinkt, die aus den Reichen
dieses Toten nie den Ausgang fand;
dieses Abendrot im Gau der Eichen
ist ein Morgenrot dem Palmenland.
Und die Mönche heiser singen:
Schnöde Welt, o fahre wohl!
Und die Glocken leiser klingen:
Schöne Täler, lebet wohl!
Einmal noch durchs Kirchenfenster
nieder blickt zum Sarg der Sonne mildes Rot,
was sie hier sieht, dort zu künden wieder:
wie der Herrscher beider Welten tot!
Hirt und Hirtin doch im Tale,
wie da Glocke klingt und Lied,
beten still, entblößten Hauptes,
für den frommen Mönch, der schied.
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