1. An die Natur
Language:
German
Authorship
Sanft mit seligem Entzücken
sink' ich hin an deine Brust,
o Natur, aus deinen Blicken
trink' ich Frieden, trink' ich Lust.
O wie süß, im Zephyrwehen,
bei des Abends goldnem Schein
leis' es fühlen und verstehen:
Jedes Wesen soll sich freu'n
und, verklärt zu neuem Leben,
diesen Vorsatz fest erneu'n:
Liebe allen Wesen geben,
Bruder allen Brüdern sein.
2. Die treuen Schwalben
Language:
German
Authorship
Wenn am kleinen Kammerfenster
ich euch alle Jahre seh',
euch, des Frühlings erste Boten,
in demselben Nest der Liebe,
denk' ich, schöne Tage kündigt
ihr nur treuen Herzen an.
Wenn des Waldes gelbe Blätter
sinken bei dem ersten Frost,
zwitschert ihr euch unterm Dache:
Laßt uns fliehen Schnee und Kälte!
Treue Herzen flieh'n den Winter,
warmer Frühling sind sie stets.
3. Das Blumenopfer
Language:
German
Authorship
Noch schmückten zarte Blüten
des Knaben weiches Haar,
und Stirn und Wangen glühten
mir, wenn ich einsam war.
Mich trieb ein leises Sehnen
hinaus ins Mondenlicht;
da flossen meine Tränen,
warum? das wußt' ich nicht.
Ich küsste die Kamille,
umschlang den Fliederbaum;
mich wiegte rings die Stille
in süßer Wehmut Traum.
Mir ward so schwer, so bange;
ich sah mich sehnend um,
und heißer ward die Wange,
doch wußt' ich nicht, warum?
Da trat zu mir ein Knabe,
so sanft, so hold und schön,
so lieb und freundlich habe
ich keinen mehr geseh'n:
"Mir ist von deinem Sehnen,
von deiner Wangen Brand
und allen diesen Tränen
die Ursach' wohl bekannt.
"Noch oft wird sich bekränzen
die neu erwachte Flur,
und immer wird dir glänzen
im Bild der Sehnsucht Spur.
"Noch oft wird dir es scheinen,
das traute Mondenlicht,
und immer wirst du weinen,
warum? das frage nicht!
"Doch laß die Jahre schwinden
und Tag' und Monden flieh'n,
einst wirst du Freuden finden,
wie sie in Eden blüh'n.
"Nimm diese Frühlingsblume,
ich habe sie geweiht
zu einem Heiligtume
für eine schön're Zeit.
"Und kennst du einst, o Wonne!
Ein Weib, wie Engel mild,
als deiner Tage Sonne
und deiner Träume Bild,
"Von Grazien gekleidet,
vom Musenchor belehrt,
von Weibern laut beneidet,
von Männern still verehrt,
"Die dir mit zarter Liebe
den Lebenskelch versüßt
und jedes kummertrübe
Gewölk vom Auge küßt,
"So gib an einem Tage,
der ihr geheiligt ist,
ihr diese Blum', und sage,
daß du nun glücklich bist."
4. Romanze
Language:
German
Authorship
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In einem Tal, bei einem Bach,
da flog ein bunter Schmetterling;
ein Mädchen, das ihn gerne fing,
das lief dem bunten Tierchen nach.
Es lief dem bunten Tierchen nach;
doch unversehn's blieb im Gesträuch
sein Fuß verwickelt, und sogleich
fiel's arme Mädchen in den Bach!
Das arme Mädchen fiel in'n Bach
und schrie; gleich lief auf sein Geschrei
ein hübscher [junger]1 Bursch herbei,
der zog es eiligst aus dem Bach.
Er zog es eiligst aus dem Bach!
Das Mädchen nahm, aus Dankbarkeit,
ihn mit nach Haus und seit der Zeit
läuft's keinem Schmetterling mehr nach!
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1 Loewe: "wackrer"
Input by Peter Donderwinkel
5. An die Nachtigall
Language:
German
Authorship
Deinem sanft flötenden Ton, Philomele,
weichen die tödtenden Schmerzen der Seele,
weichet der Kummer nicht, der mich verzehrt.
Singest du, seliger Vogel, der Liebe?
Lächeln dir, frölicher durch ihre Triebe,
Lenzflur und Haine, von Blüten beschwert?
Die dich auf blühendem Wipfel beglücket,
hat mit schnell fliehendem Wahn mich berücket,
hat mir den Freuden, ach! keine gewährt.
6. Die Jagd
Language:
German
Authorship
Hört ihr die Hörner erschallen,
ihr Jäger, eilet herbei,
der schlanke Hirsch muß fallen
mit himmelhohem Geweih.
Was stehst du ohne zu hoffen
und blickst so traurig umher,
als hätte dich selber getroffen
ins Herz ein glühend Gewehr?
Wohl wahr, wohl hat mich getroffen
ins Herz ein glühend Gewehr,
dahin ist des Jägers Hoffen,
ihn freut sein Harren nicht mehr.
Kann mir mein Zielen gelingen
auf sie selber, die schöne Magd,
wie will ich dann laufen und springen;
bis dahin, erlaßt mir die Jagd!
7. Heimweh
Language:
German
Authorship
Elysium, du Land, wo Friede wird,
wo nie das Schwert, wo nie die Fessel klirrt!
Elysium, du Land, wo Liebe thront,
wo endlich Ruh' in diesem Herzen wohnt!
Bist du Phantom, bist du der Leiden Traum?
Bist du ein Land in irgend einem Raum?
Wo such' ich dich am weiten Firmament,
wenn heimatkrank die blasse Wange brennt?
Oft Mitternachts umweht mich deine Luft,
ein ew'ges Blau, ewin ew'ger Frühlingsduft.
Ich seh' es dort in heller Blüte steh'n,
ich hör' es dort in Melodieen weh'n.
8. Sehnsucht
Language:
German
Authorship
See other settings of this text
Die stille Nacht umdunkelt
Erquickend Tal und Höh',
Der Stern der Liebe funkelt
Sanft wallend in [dem]1 See.
Verstummt sind in den Zweigen
Die Sänger der Natur;
Geheimnisvolles Schweigen
Ruht auf der Blumenflur.
Ach, mir nur schließt kein Schlummer
Die müden Augen zu:
Komm, lindre meinen Kummer,
Du stiller Gott der Ruh!
Sanft trockne mir die Tränen
Gib [süßer Freude]2 Raum,
Komm, täusche hold mein Sehnen
Mit einem [Wonnetraum]3!
O zaubre meinen Blicken
Die Holde, die mich flieht,
Laß mich ans Herz sie drücken,
Daß edle Lieb' entglüht!
Du Holde, die ich meine,
Wie sehn' ich mich nach dir;
Erscheine, ach, erscheine
Und läche Hoffnung mir!
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1 Loewe: "den"
2 Loewe: "süßen Freuden"
3 Loewe: "Rosentraum"
Input by Pilar Lirio
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