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Fünf Lieder 1895-1896

Song Cycle by Alexander Zemlinsky (1871-1942)


1. Orientalisches Sonett

Language: German

Authorship


Im Garten wandeln weiße Sultansfrauen;
wohl atmen Plätscherbrunnen Abendkühle,
doch Flüsterbüsche hauchen Weihrauchschwüle,
und aus dem Lüster warme Augen schauen.

Wie magst du,Padischah, dem Zwinger trauen?
Dort lugt der Mond herab vom Wolkenpfühle
und zieht heran die zärtlichsten Gefühle;
dem Zephyr weicht der Schleier gar, dem schlauen.

Es bebt der Myrten reine, weiße Blüte;
es quilt ein tiefes Weh aus Bulbuls Sang.
Wie wird euch, schöne Frauen, zu Gemüte?

Schwand alle Sehnsucht nach der Heimat hin,
wo frei und heilig ist der Liebe Drang?
O Griechenmädchen! O Circassierin!

Input by Peter Donderwinkel


2. Süße, süße Sommernacht

Language: German

Authorship


Süße, süße Sommernacht,
Liegt die Welt im Traume,
Warme Winde singen sacht
Über dem Lindenbaume.

Breit ergoss'ner Mondenschein
Zeichnet helle Säume 
Um ein off'nes, kleines Fensterlein:
Träume mein Liebling, träume.

Input by Peter Donderwinkel


3. Herbsten

Language: German

Authorship

Available translations (or transliterations, if applicable):


Klagend weint es in den Zweigen,
grelle Blätter, windgewiegt,
jäh von tollem Sturm besiegt,
tanzen müd im Todesreigen.

Und die Wünsche, die aus herben 
Wurzeln an das Licht geblüht,
sinken klagend, sinken müd 
in das grosse, grosse Sterben.

Klagend weint es in den Zweigen.

Input by Peter Donderwinkel


4. Nun schwillt der See so bang

Language: German

Authorship


Nun schwillt der See so bang, 
so zärtlich sacht;
Vom blauen Ufer Gesang 
steigt in die Nacht.

Mein Boot nimmt flutenwärts schwebenden Lauf.
Da hebt, da hebt sich mein Herz hinauf.

Input by Peter Donderwinkel


5. Der Tag wird kühl

Language: German

Authorship

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Available translations (or transliterations, if applicable):


Der Tag wird kühl, der Tag wird blaß,
die Vögel streifen übers Gras.
[Ei]1 wie die Halme schwanken,
[vor]2 ihrer Flügel Wanken
und leise wehn ohn' Unterlaß.

Und Abends spät die Liebe weht
ob meines Herzens [Blumenbeet]3.
[Das ist ein heimlich Beben,
Und süße Gedanken weben]4
sich in mein [tiefstes]5 Nachtgebet.

Du fernes Herz, komm zu mir bald,
sonst werden [wir]6 beide grau und alt,
sonst wächst in meinem Herzen 
viel [Unkraut und viel]7 Schmerzen;
[Da wird's den Blumen gar zu kalt!]8

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1 Zemlinsky: "Schau"
2 Zemlinsky: "von"
3 Zemlinsky: "Rosenbeet"
4 Zemlinsky: "Die Zweigen flüstern und beben, / und holde Gedanken weben"
5 Zemlinsky: "heimlich"
6 Zemlinsky: "mir"
7 Zemlinsky: "Unkraut, Dorn, und"
8 Zemlinsky: "Die Nacht ist lang, die Nacht wird kalt!"

Input by Peter Donderwinkel


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