1a. Die Guten gehn im gleichen Schritt ...
Language:
German
Authorship
Die Guten gehen im gleichen Schritt.
Ohne von ihnen zu wissen, tanzen die andern
um sie die Tänze der Zeit.
Input by Ferdinando Albeggiani
1b. Wie ein Weg im Herbst
Language:
German
Authorship
Wie ein Weg im Herbst: Kaum ist er reingekehrt,
bedeckt er sich wieder mit den trockenen Blättern.
Input by Ferdinando Albeggiani
1c. Verstecke
Language:
German
Authorship
Verstecke sind unzählige, Rettung nur eine,
aber Möglichkeiten Der Rettung wieder
so viele wie Verstecke.
Input by Ferdinando Albeggiani
1d. Ruhelos
[--- Tacet ---]
1e. Berceuse I
Language:
German
Authorship
Schlage deinen Mantel, hoher Traum, um das Kind.
Input by Ferdinando Albeggiani
1f. Nimmermehr (Excommunicatio)
Language:
German
Authorship
Nimmermehr, nimmermehr kehrst Du wieder in die Städte,
nimmermehr tönt die große Glocke über Dir.
Input by Ferdinando Albeggiani
1g. "Wenn er mich immer frägt"
Language:
German
Authorship
"Wenn er mich immer frägt."
Das ä, losgelöst vom Satz,
flog dahin wie ein Ball auf der Wiese.
Input by Ferdinando Albeggiani
1h. Es zupfte jemand am Kleid
Language:
German
Authorship
Es zupfte jemand am Kleid,
aber ich schüttelte ihn ab.
Input by Ferdinando Albeggiani
1i. Die Weißnäherinnen
Language:
German
Authorship
Die Weißnäherinnen in den Regengüssen.
Input by Ferdinando Albeggiani
1j. Szene am Bahnhof
Language:
German
Authorship
Die Zuschauer erstarren, wenn der Zug vorbeifährt.
Input by Ferdinando Albeggiani
1k. Sonntag, den 19. Juli 1910 (Berceuse II)
Language:
German
Authorship
Geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht,
elendes Leben.
Input by Ferdinando Albeggiani
1l. Meine Ohrmuschel...
Language:
German
Authorship
Meine Ohrmuschel fühlte sich frisch, rauh, kühl,
saftig an wie Ein Blatt.
Input by Ferdinando Albeggiani
1m. Einmal brach ich mir das Bein
Language:
German
Authorship
Einmal brach ich mir das Bein,
es war das schönste Erlebnis Meines Lebens.
Input by Ferdinando Albeggiani
1n. Umpanzert
Language:
German
Authorship
Einen Augenblick lang fühlte ich mich umpanzert.
Input by Ferdinando Albeggiani
1o. Zwei Spazierstöcke
Language:
German
Authorship
Auf Balzacs Spazierstockgriff: ich breche alle Hindernisse.
Auf meinem: Mich brechen alle Hindernisse.
Gemeinsam ist das "alle".
Input by Ferdinando Albeggiani
1p. Keine Rückkehr
Language:
German
Authorship
Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr.
Dieser Punkt ist zu erreichen.
Input by Ferdinando Albeggiani
1q. Stolz (1910/15. November, zehn Uhr)
Language:
German
Authorship
Ich werde mich nicht müde werden lassen.
Ich werde in meine Novelle Hineinspringen
und wenn es mir das Gesicht zerschneiden sollte.
Input by Ferdinando Albeggiani
1r. Träumend hing die Blume
Language:
German
Authorship
Träumend hing die Blume am hohen Stengel.
Abenddämmerung umzog sie.
Input by Ferdinando Albeggiani
1s. Nichts dergleichen
Language:
German
Authorship
Nichts dergleichen, nichts dergleichen.
Input by Ferdinando Albeggiani
2. Der wahre Weg
Language:
German
Authorship
Der wahre Weg geht über ein Seil,
das nicht in der Höhe gespannt
ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt,
stolpern zu machen, als begangen zu werden.
Input by Ferdinando Albeggiani
3a. Haben? Sein?
Language:
German
Authorship
Es gibt kein Haben, nur ein Sein,
nur ein nach letzen Atem,
nach Ersticken verlangendes Sein.
Input by Ferdinando Albeggiani
3b. Der Coitus als Bestrafung
Language:
German
Authorship
Der Coitus als Bestrafung des Glückes des Beisammenseins.
Input by Ferdinando Albeggiani
3c. Meine Festung
Language:
German
Authorship
Meine Gefängniszelle -- meine Festung.
Input by Ferdinando Albeggiani
3d. Schmutzig bin ich, Milena...
Language:
German
Authorship
Schmutzig bin ich, Milena, endlos schmutzig,
darum mache ich ein solches Geschrei mit der Reinheit.
Niemand singt so rein als die, welche in der tiefsten Hölle sind;
was wir für den Gesang der Engel halten, ist ihr Gesang.
Input by Ferdinando Albeggiani
3e. Elendes Leben
Language:
German
Authorship
Geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht,
elendes Leben.
Input by Ferdinando Albeggiani
3f. Der begrenzte Kreis
Language:
German
Authorship
Der begrenzte Kreis ist rein.
Input by Ferdinando Albeggiani
3g. Ziel, Weg, Zögern
Language:
German
Authorship
Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg;
was wir Weg nehmen, ist Zögern.
Input by Ferdinando Albeggiani
3h. So fest
Language:
German
Authorship
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So fest wie die Hand den Stein hält.
Sie hält ihn aber fest,
nur um ihn desto weiter zu verwerfen.
Aber auch in jene Weite führt der Weg.
Input by Ferdinando Albeggiani
3i. Penetrant jüdisch
Language:
German
Authorship
Im Kampf zwischen dir und der Welt sekundiere der Welt.
Input by Ferdinando Albeggiani
3j. Verstecke
Language:
German
Authorship
Verstecke sind unzählige, Rettung nur eine,
aber Möglichkeiten Der Rettung wieder
so viele wie Verstecke.
Input by Ferdinando Albeggiani
3k. Staunend sahen wir das große Pferd
Language:
German
Authorship
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Staunend sahen wir das große Pferd.
Es durchbrach das Dach unserer Stube.
Der bewölkte Himmel zog sich schwach
entlang des gewaltigen Umrisses,
und rauschend flog die Mähne im Wind.
Input by Ferdinando Albeggiani
3l. Szene in der Elektrischen
Language:
German
Authorship
Die Tänzerin Eduardowa, eine Liebhaberin in der Musik,
fährt wie Überall so auch
in der Elektrischen in Begleitung zweier Violinisten,
die sie häufig spielen läßt.
Denn es besteht kein verbot, warum in der Elektrischen
nicht gespielt werden dürfte, wen das Spiel gut,
den Mitfahrenden angenehm ist und nichts kostet,
das heißt, wenn nachher nicht eingesammelt wird.
Es ist allerdings im Anfang ein wenig überraschend,
und ein Weilchen lang findet jeder, es sei unpassend.
Aber bei voller Fahrt, starkem Luftzug
und stiller Gasse klingt es hübsch.
Input by Ferdinando Albeggiani
4a. Zu spät (22. Oktober 1913)
Language:
German
Authorship
Zu spät.
Die Süßigkeit der Trauer und der Liebe.
Von ihr angelächelt werden im Boot.
Das war das Allerschönste.
Immer nur das Verlangen, zu sterben
und das Sich-noch-Halten, das allein ist Liebe.
Input by Ferdinando Albeggiani
4b. Eine lange Geschichte
Language:
German
Authorship
Ich sehe einem Mädchen in die Augen,
und es war eine sehr lange Liebesgeschichte
mit Donner und Küssen und Blitz.
Ich lebe rasch.
Input by Ferdinando Albeggiani
4c. In memoriam Robert Klein
Language:
German
Authorship
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Noch spielen die Jagdhunde im Hof, aber das Wild entgeht ihnen nicht,
so sehr es jetzt schon durch die Wälder jagt.
[ ... ]
4d. Aus einem alten Notizbuch
Language:
German
Authorship
Jetzt am Abend, nachdem ich von sechs Uhr früh an gelernt Habe,
bemerke ich, wie meine linke Hand die Rechte schon
ein Weilchen lang aus Mitleid bei den Fingern umfaßt hielt.
Input by Ferdinando Albeggiani
4e. Leoparden
Language:
German
Authorship
Leoparden brechen in den Tempel ein
und saufen die Opferkrüge leer:
das wiederholt sich immer wieder:
schließlich kann man es vorausberechnen,
und es wird ein Teil der Zeremonie.
Input by Ferdinando Albeggiani
4f. In memoriam Joannis Pilinszky
Language:
German
Authorship
Ich kann...nicht eigentlich erzählen,
ja fast nicht einmal reden;
wenn ich erzähle, habe ich meistens ein Gefühl,
wie es kleine Kinder haben könnten,
die die ersten Gehversuche machen.
Input by Ferdinando Albeggiani
4g. Wiederum, wiederum
Language:
German
Authorship
Wiederum, wiederum, weit verbannt, weit verbannt.
Berge, Wüste, weites Land gilt es zu durchwandern.
Input by Ferdinando Albeggiani
4h. Es blendete uns die Mondnacht...
Language:
German
Authorship
Es blendete uns die Mondnacht.
Vögel schrien von Baum zu Baum.
In den Feldern sauste es.
Wir krochen durch den Staub, ein Schlangenpaar.
Input by Ferdinando Albeggiani
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