1. Leichter Sinn
Language:
German
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O selig, wem von Urbeginn
Im Schicksalsbuch geschrieben ist,
Daß er bestimmt zu leichtem Sinn,
Zum Trinken und zum Leben ist!
Der Zorn des Bonzen stört ihn nicht,
Moscheenduft betört ihn nicht,
Ob er allein -- beim Becher Wein,
Ob er beim Lieb geblieben ist!
Solch Los ist dein, Mirza-Schaffy!
Genieß es ganz und klage nie!
Denk beim Pokal -- daß stets die Zahl
Der Wochentage sieben ist!
Am ersten Tag beginnt der Lauf
Und erst am letzten hört er auf --
Wie's kommt, so geht's -- bedenke stets
Daß Glück nicht aufzuschieben ist!
Ein leichter Sinn, ein frohes Lied
Ist alles, was dir Gott beschied;
Drum laß den Wahn -- verfolg die Bahn,
Auf die dein Fuß getrieben ist!
2. Wein, Gesang und Liebe
Language:
German
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Die Weise guter Zecher ist
zu früh und später Stunde,
daß alter Wein im Becher ist
und neuer Witz im Munde.
Denn wo man Eins davon entbehrt,
da ist das Andre auch nichts wert,
das Eine steht zum Andern.
Je mehr wir uns vertieft im Wein,
je höher steigt der Geist uns,
der Bart der Weisheit triefst vom Wein,
die ganze Welt umkreist uns.
Versunken ganz in Trunkenheit,
und trunken in Versunkenheit,
in Wein, Gesang und Liebe.
Die Weisen beim Pokale
stehn hoch über der Gemeinheit,
wie Berge überm Tale
stehn in himmelhoher Reinheit.
Die Berge färbt des Himmels Licht,
uns wiederstrahlt das Angesicht
im Glanz der vollen Becher.
3. Trinkers Weisheit
Language:
German
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Wie die Nachtigallen an den Rosen nippen,
-- Sie sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Netzen wir am Weine unsre Lippen,
-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Wie die Meereswellen an den Felsenklippen,
-- Wenn das sturmbewegte Meer in Wut ist --
Breche schäumend sich der Wein an unsern Lippen,
-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Wie ein Geisterkönig, ohne Fleisch und Rippen,
-- Weil sein Wesen eitel Duft und Glut ist, --
Zieh' er siegreich ein durchs Rosentor der Lippen,
-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist. --
4. Trinkers Lebensregeln
Language:
German
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Verbittre dir das junge Leben nicht,
Verschmähe, was dir Gott gegeben, nicht!
Verschließ dein Herz der Liebe Offenbarung
Und deinen Mund dem Trank der Reben nicht!
Sieh, schönern Doppellohn, als Wein und Liebe,
Beut dir die Erde für dein Streben nicht!
Drum ehre sie als deine Erdengötter,
Und andern huldige daneben nicht!
Die Toren, die bis zu dem Jenseits schmachten,
Sie lassen leben, doch sie leben nicht!
Der Mufti mag mit Höll' und Teufel drohen,
Die Weisen hören das und beben nicht!
Der Mufti glaubt, er wisse alles besser,
Mirza-Schaffy glaubt das nun eben nicht!
5. Trinkt Wein! das ist mein alter Spruch
Language:
German
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Trinkt Wein! Das ist mein alter Spruch
Und wird auch stets mein neuer sein,
Kauft euch der Flasche Weisheitsbuch,
Und sollt' es noch so teuer sein!
Als Gott der Herr die Welt erschuf,
Sprach er: Der Mensch sei König hier,
Es soll des Menschen Haupt voll Witz,
Es soll sein Trank voll Feuer sein!
Dies ist der Grund, daß Adam bald
Vom Paradies vertrieben ward;
Er floh den Wein, drum konnt' es ihm
Im Eden nicht geheuer sein!
Die ganze Menschheit ward vertilgt,
Nur Noah blieb mit seinem Haus,
Der Herr sprach: Weil du Wein gebaut,
Sollst du mein Knecht, mein treuer sein.
Die Wassertrinker seien jetzt
Ersäuft im Wasser allzumal,
Nur du, mein Knecht, sollst aufbewahrt
In hölzernem Gemäuer sein!
Mirza-Schaffy! Dir ward die Wahl
In diesem Falle nicht zur Qual;
Du hast den Wein erkürt, willst nie
Ein Wasserungeheuer sein!
6. O, wenn es doch immer so bliebe
Language:
German
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Gelb rollt mir zu Füßen der brausende Kur,
im tanzenden Wellengetriebe,
hell lächelt die Sonne, mein Herz und die Flur,
o wenn es doch immer so bliebe.
Rot funkelt im Glas der kachetische Wein,
es füllt mir das Glas meine Liebe,
und ich saug' mit dem Wein ihre Blicke ein,
o wenn es doch immer so bliebe.
Die Sonne geht unter, schon dunkelt die Nacht,
doch mein Herz, gleich dem Sterne der Liebe,
flammt im tiefsten Dunkel, in hellster Pracht,
o wenn es doch immer so bliebe.
In das schwarze Meer deiner Augen rauscht,
der reißende Strom meiner Liebe;
komm, Mädchen, es dunkelt, und niemand lauscht,
o wenn es doch immer so bliebe.
7. Ich denke Dein
Language:
German
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Die Gletscher leuchten
Im Mondenlicht,
Und Thränen feuchten
Mein Angesicht.
Die Stürme sausen,
Die Möven schrein,
Die Wogen brausen,
Ich denke dein!
Das Land entschwindet
Schon fern dem Blick,
Doch zu dir findet
Mein Herz zurück;
Ich will ihm Schwingen
Des Liedes leihn,
Es soll dir singen:
Ich denke dein!
8. Vom Rhein
Language:
German
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Wenn das Rheingold in der Sonne glüht
Und im Blütenschmuck das Ufer lacht,
Jede Welle gold'ne Funken sprüht,
Jedes Herz zu neuer Lust erwacht.
Ferner Glockenklang
Tönt vom Nebenhang,
Und im nahen Baum der Drossel sang.
In der Morgenglut
Wie im Abendschein:
O wie wonnig ruht
Sich's am grünen Rhein!
Glücklich wer auf deiner Segensflur
Immer atmen darf, du heil'ger, deutscher Rhein!
Doch auch glücklich, wem ein kurzes nur
Deine Zauber blühn ins Herz hinein,
Holde Sehnsucht schreibt
Tief sich ein und bleibt,
Daß es immer wieder zu dir treibt!
9. Nachtigall und Rose
Language:
German
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Im Garten klagt die Nachtigall
und hängt das feine Köpfchen nieder,
was hilft's dass ich so schöne Lieder
und wundersüsse Töne habe -
solange ich dies grau Gefieder
und der Rose Schöne habe !
Im Blumenbeet die Rose klagt:
Wie soll das Leben mir gefallen ?
Was hilft's, dass vor den Blumen allen
ich Anmut, Duft und Schöne habe -
solang ich nicht der Nachtigallen
Gesang und süsse Töne habe !
Mirza Schaffy entschied den Streit.
Er sprach: "Lasst euer Klagen beide,
Du Rose mit dem duft'gen Kleide,
du Nachtigall mit deinen Liedern:
Vereint zur Lust und Ohrenweide
der Menschen, euch in meinen Liedern!"
10. Zu liebendem Gedächtniss
Language:
German
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Wenn ich dich seh' so lieb und hold auf mich die Blicke lenken
. . . . . . . . . .
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11. Mir träumte einst ein schöner Traum
Language:
German
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Mir träumte einst ein schöner Traum:
Mich liebte eine blonde Maid;
Es war am grünen Waldesraum,
Es war zur warmen Frühlingszeit:
Die Knospe sprang, der Waldbach schwoll,
Fern aus dem Dorfe scholl Geläut -
Wir waren ganzer Wonne voll,
Versunken ganz in Seligkeit.
Und schöner noch als einst der Traum
Begab es sich in Wirklichkeit -
Es war am grünen Waldesraum,
Es war zur warmen Frühlingszeit:
Der Waldbach schwoll, die Knospe sprang,
Geläut erscholl vom Dorfe her -
Ich hielt dich fest, ich hielt dich lang
Und lasse dich nun nimmermehr!
O frühlingsgrüner Waldesraum!
Du lebst in mir durch alle Zeit -
Dort ward die Wirklichkeit zum Traum,
Dort ward der Traum zur Wirklichkeit!
12. Toni
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German
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Der Wind vom Abendhimmel weht
. . . . . . . . . .
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13. Sommernacht
Language:
German
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Nun liegt die Welt im Traume,
Berauscht von Glanz und Duft
Kein Blatt regt sich am Baume,
Kein Vöglein in der Luft.
Die müden Sterne neigen
Zur Ruh' schon ihren Lauf,
Doch mir im Herzen steigen
Noch schönre Sterne auf.
Was mir der Tag beschieden,
Ward sorglos nie vollbracht,
Doch selig ist der Frieden
Der stillen heiligen Nacht!
14. Zuleikha's Anmut
Language:
German
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Seh' ich deine zarten Füßchen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie so viel Schönheit tragen können!
Seh' ich deine kleinen Händchen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie solche Wunden schlagen können!
Seh' ich deine rosigen Lippen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie einen Kuß versagen können!
Seh' ich deine klugen Augen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie nach mehr Liebe fragen können,
Als ich fühle. -- Sieh mich gnädig an!
Wärmer als mein Herz, du süßes Mädchen,
Wird kein Menschenherz dir schlagen können!
Hör' dies wonnevolle Liedchen an!
Schöner als mein Mund, du süßes Mädchen,
Wird kein Mund dir Liebe klagen können!
Input by Ferdinando Albeggiani
15. Schlag' die Tschadra zurück
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German
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Schlag' die Tschadra zurück! Was verhüllst du dich?
Verhüllt auch die Blume des Gartens sich?
Und hat dich nicht Gott, wie der Blume Pracht,
der Erde zur Zierde, zur Schönheit gemacht?
Schuf er all' diesen Glanz, diese Herrlichkeit,
zu verblühen in dumpfer Verborgenheit?
Schlag' die Tschadra zurück! Laß alle Welt seh'n,
daß auf Erden, wie du Kind, kein Mädchen so schön!
Laß die Augen herzündende Funken sprüh'n,
Laß die Lippen im rosigen Lächeln glüh'n,
als mit dem dich das Dunkel der Nächte umwebt!
Daß dich, Holde, kein anderer Schleier umschwebt.
Schlag' die Tschadra zurück! Solch ein Antlitz sah
nie zu Stambul das Harem des Padischah;
Nie säumte zwei Augen so groß und klar,
der langen Wimpern seidenes Haar.
Drum erhebe den Blick, schlag' die Tschadra zurück!
Dir selbst zur Triumphe, den Menschen zum Glück!
16. Ein Blick des Aug's hat mich erfreut
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Ein Blick des Augs hat mich erfreut --
Der Zauber dieses Augenblicks
Wirkt immerfort in mir erneut
Ein leuchtend Wunder des Geschicks.
Drum eine Frage stell' ich dir,
Horch huldvoll auf, mein süßes Leben:
Galt jener Blick des Auges mir,
So magst du mir ein Zeichen geben!
Und darf ich deinem Dienst mich weihn
Und bist du meinem Arm erreichbar,
So wird mein Herz voll Jubel sein,
Und meiner Freude nichts vergleichbar!
Dann leb' ich fort durch alle Zeit
Im Wunderleuchten des Geschicks
Den Augenblick der Seligkeit,
Die Seligkeit des Augenblicks!
17. Mein Herz schmückt sich mit Dir
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Mein Herz schmückt sich mit dir, wie sich
der Himmelmit der Sonne schmückt,
du gibst ihm Glanz und ohne dich,
bleibt es in dunkle Nacht entrückt.
Gleich wie die Welt all' ihre Pracht verhüllt,
wenn Dunkel sie umfließt,
und nur, wenn ihr die Sonne lacht,
zeigt, was sie Schönes in sich schließt.
18. Es hat die Rose sich beklagt
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Es hat die Rose sich beklagt,
Daß gar zu schnell der Duft vergehe
Den ihr den Lenz gegeben habe.
Da hab' ich ihr zum Trost gesagt,
Daß er durch meine Lieder wehe,
Und dort ein ew'ges Leben habe.
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