1. Nachts
Language:
German
Authorship
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Ich wandre durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal,
Erwacht die Nachtigall
Dann wieder alles grau und stille.
O wunderbarer Nachtgesang,
Von fern im Land der Ströme Gang,
Leis Schauern in den [dunkeln]1 Bäumen --
Wirrst die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Träumen.
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First published in the appendices to the novellas Taugenichts and
Marmorbild, 1826 in the cycle Nachtbilder (no. 1)
1 Busch, Gund: "dunklen"
2. Die Nacht bricht an
Language:
German
Authorship
Ein Wolkengebirg' umfließt
Die Sonne, die herabgesunken.
Der Tag, noch müd von allen Kämpfen, schließt.
Einsam am Ufer treibt ein Kahn
Und alles, alles ist getan.
Und alles ruhen will,
So todesmüd, so traurig still.
Ein spätes Lied, die Nacht bricht an,
Und alles, alles ist getan.
3. Ein Stündlein wohl vor Tag
Language:
German
Authorship
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[Derweil]1 ich schlafend lag,
Ein Stündlein wohl vor Tag,
Sang vor dem Fenster auf dem Baum
Ein Schwälblein mir, ich hört es kaum
Ein Stündlein wohl vor Tag.
"Hör an, was ich dir sag,
Dein Schätzlein ich verklag:
Derweil ich dieses singen tu
Herzt [er]2 ein Lieb in guter Ruh,
Ein Stündlein wohl vor Tag."
O weh! nicht weiter sag!
O still! nichts hören mag!
Flieg ab, flieg ab von meinem Baum!
Ach, Lieb und Treu ist wie ein Traum
Ein Stündlein wohl vor Tag.
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1 Deprosse: "Dieweil"
2 Rheinberger: "es"
4. Schrei
Language:
German
Authorship
Eine wilde Lokomotive
Schrie in der Nacht,
In den Häusern, in den Betten
Sind die Menschen aufgewacht,
In den Herzen, die sich hoben,
Zitterte der weiße Schrei.
Durch die eisgefror'ne Stille
Sauste er im fahlen Flug,
Roter Rauch auf seiner Stirne,
Leuchtend bleich ein Leichenzug.
Mit den Kolben, die sich warfen,
Bohrte er sich ein mit Gier
In den grenzenlosen Abgrund,
Und umarmend wie ein Tier,
Schrie er: "Du bist mein, du Erde,
Meer und Lande, mein, du Nacht!"
In den Häusern, in den Betten
Sind die Menschen aufgewacht!
5. Stilleben
Language:
German
Authorship
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Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
Zu seiner lieben Ehefrau.
"Versoffner, unverschämter Mann"--
Geduld, mein Kind, ich zieh mich an --
"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.
Zank du alleine.
"Du gehst? -- Verdammtes Kaffeehaus!
Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.
Gott! ich soll so verlassen sein? --
Wer pocht? -- Herr Nachbar? -- nur herein!
Mein böser Teufel ist zu Weine:
Wir sind alleine."
6. Der Weise
Language:
German
Authorship
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Es stand vor eines Hauses Tor
Ein Esel mit gespitztem Ohr,
Der käute sich sein Bündel Heu
Gedankenvoll und still entzwei. --
Nun kommen da und bleiben stehn
Der naseweisen Buben zween,
Die auch sogleich, indem sie lachen,
Verhaßte Redensarten machen,
Womit man denn bezwecken wollte,
Daß sich der Esel ärgern sollte. -
Doch dieser hocherfahrne Greis
Beschrieb nur einen halben Kreis,
Verhielt sich stumm und zeigte itzt
Die Seite, wo der Wedel sitzt.
Input by Sharon Krebs
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