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Agnete

Song Cycle by Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869)


1. Es schaute in die Wogen die Maid im Abendschein

Language: German

Authorship

Available translations (or transliterations, if applicable):


 Es schaute in die Wogen
 Die Maid im Abendschein,
 Da hat der Neck gezogen
 Sie in die Flut hinein.

 Sie sitzt in klaren Hallen,
 Auf goldigem Bernsteinthron
 Und trägt von roten Korallen
 Eine steinerne Dornenkron'.

 Die Wasser wogen und rauschen 
 Um all die tote Pracht:
 "Ach, könnt' ich noch einmal lauschen,
 Wann Morgens der Hain erwacht!"

 Der Mond scheint in die blauen
 Wellen mit sanftem Licht:
 "Ach, könnt' ich noch einmal schauen
 meiner Mutter Angesicht!"

 Die Strudel rollen und tosen
 In wunderbar tiefem Sang:
 "Ach, hört' ich noch einmal der Orgel,
 Der Kirchenglocken Klang!"


2. Sie stürzt dem Neck zu Füssen

Language: German

Authorship

Available translations (or transliterations, if applicable):


Sie stürzt dem Neck zu Füssen;
»Ach laß mich nur einmal gehn,
Mein Mütterlein zu grüssen,
Die Erde wieder zu sehn!«

Da spricht der Neck: »Es weinen
Gewiß die Kinder sehr;
Eh Tag und Nacht sich einen,
Kehre zurück ins Meer!«


3. Sie ist herauf gestiegen aus der kristallnen Gruft

Language: German

Authorship

Available translations (or transliterations, if applicable):


Sie ist herauf gestiegen
Aus der kristallnen Gruft,
Läßt froh die Blicke fliegen
In Gottes freie Luft.

Sie grüßt den Strand entzücket, 
Wo sie als Mägdlein saß,
Hat an die Brust gedrücket 
Das schwanke Halmengras.

Das Türmlein der Kapelle
Winkt hoch vom Fels am Meer,
Sein Glöcklein klinget helle
Im Lande weit umher.

Und sanfter heut erschallet
Der fromme Glockenton,
Im langen Zuge wallet
Das Volk zur Kirche schon.

Es gehn mit dem Liederbuche
Die Jungfrau ins Gotteshaus.
Und jede, auf weißem Tuche,
Trägt einen Nelkenstrauß.

Sie folget zur Kapelle
Und zagt, hinein zu gehn,
Doch auf der Kirchenschwelle
Sieht sie die Mutter stehn.

»Ach liebes Kind, Agnete,
Sag' an, wo kommst du her?«
»O Mutter, Mutter bete,
Ich war im blauen Meer.«

Sie stürzet auf die Kniee
Und weinet bitterlich:
»Du heilige Marie,
Ach bitte du für mich!«


4. Und heller und heller quollen die Hymnen, der Orgel Sang

Language: German

Authorship

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Und heller und heller quollen
Die Hymnen, der Orgel Sang,
Und dumpfer und dumpfer grollen
Die Wasser im starken Drang.

Da sprengt auf schaumigem Roße
Über die wogende Bahn
Von stäubendem Gischt umfloßen
Der Neck den Felsen hinan.

Er tritt in die heilige Halle,
Die Engel und Seraphim,
Die Heiligenbilder alle,
Sie wenden sich ab von ihm.

Er spricht mit zürnendem Munde:
»Du weiltest lange genug;
Vergißt du, daß tief im Grunde
Dein Leben Wurzeln schlug?«

»Und hat es Wurzeln geschlagen,
So war es doch liebeleer,
Hier atm' ich Leben und Liebe,
Ich folge dir nimmermehr!«

Seine Augen wie Blitze leuchten,
Wild stürmet der Neck hinaus
Und stürzt sich vom Fels in der feuchten
Tiefe wogenden Graus.


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