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Gregor auf dem Stein

Song Cycle by Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869)


1. Herolde ritten von Ort zu Ort

Language: German

Authorship


Herolde ritten von Ort zu Ort,
Verkündend rings der Königin Wort.

So spricht die Königin:
"Wehe dem Land,
Deß Regiment steht in Weibes Hand,
Zehn Jahre brachten verderblichen Krieg,
Zehn Jahre brachten den Heiden den Sieg,
Und eure Felder liegen verheert, 
Und eure Türme liegen zerstört!"

So spricht die Königin: "Zwanzig Jahr
Ist dieser Thron des Königes baar,
Mein Bruder legte den Purpur ab,
Bußfertig wählt er den Pilgerstab,
Am Jordan, wehe! ruht sein Gebein,
Die Schwester blieb nun Königin allein!"

So spricht die Königin: "Meine Pflicht
Euch zu erfüllen, zag ich nicht,
Darum vernehmt: weß starke Hand
Den Heidenfürsten überwand,
Ihm, wer er sei, geb' ich zum Lohn
Mich selbst und meinen Königsthron!"


2. Im Schloß, da brennen der Kerzen viel

Language: German

Authorship


Im Schloß, da brennen der Kerzen viel,
Da hallt ein lieblich Saitenspiel.

Da schmettern Trompeten jubelnd hinein,
Da tanzt man fröhlichen Siegesreihn,
Da singt man Preis dem Heldenschwert,
Das mächt'ger Feinde Trotz zerstört.

Im Garten unten, im Feld und Hain,
Da dämmert heimlich der Mondenschein;
Da führt die laue Frühlingsluft
Gar süßen Lindenblütenduft.

Da wandeln zwei zu einander gesellt,
Das ist die Königin und ihr Held.
"Mein junger Held, ein zwiefach Heil
Ward mir am heut'gen Tag zu Teil."

"O Königin, mein Ruhm ist hin,
Seit du des Siegers Siegerin."
Und weiter wandeln die Beiden fort:
"Mein Freund, warum verstummte dein Wort?"

"Mich dünkt, es klang, - gieb, Herrin, Acht -
Ein banger Wehruf durch die Nacht."
"Mein Freund, das ist die Nachtigall, 
Die drüben nistet im Linden wall."

Und weiter gehn sie den Pfad entlang: 
"Mein Liebster, was hemmte deinen Gang?"
"Mich dünkt, o süßes Weib,
Es schritt unfern uns zweien ein Dritter mit.

Mich dünkt er trug ein Pilgergewand,
Er streckte dräuend empor seine Hand!"
"Mein Liebster, der Mond hat dich geneckt
Der in dem Nebel Gestalten weckt;
Laß Nachtigall und Mondenschein,
Du sollst ja nun mein König sein!"

"O Königin, dein eigen ist dies Herz,
Seit dich mein Blick gegrüßt!"
"Wohlan, mein Held! So mache kund 
Der Priester unsrer Herzen Bund!"


3. Der junge König und sein Gemahl

Language: German

Authorship


Der junge König und sein Gemahl,
Sie saßen zusammen im hohen Saal.
Sie war an Huld und Anmut reich,
Er schaute finster und war so bleich.

"Gregor, mein holder Freund, o sprecht,
Hat wer gekränkt Eu'r königlich Recht?"
"Frau Königin, ich trag ein gutes Schwert,
Das jegliche Kränkung von sich wehrt."

"Gregor, mein Freund, gesteht mir's ein,
Es zehrt ein Fieber an Eurem Gebein!"
"Frau Königin, ich hab' noch heut mit Lust
Den wilden Bären zu jagen gewußt."

"Gregor, so drückt Euch geheime Schuld;
Vertraut Euch Christo und seiner Huld!"
"Frau Königin, gestern empfing ich schon 
Für meine Sünden Absolution."

"Ach fühltest, Gregor, du mein liebend Herz,
Mitteilend lindertest du deinen Schmerz!"
"Mein Weib, mein Leben, du meine Lust!
Zerreissen auch dir das Herz in der Brust?"

"O, hätte mich nimmer mein treues Roß
Getragen im dieses leuchtende Schloß!
O hätte nimmer mein siegreich Schwert
Den übermütigen Feinden gewehrt!

O wärest du nimmer, du nimmer und dein Thron
Gewesen des kühnen, des kühnen Siegers Lohn!"
"Weh, wehe! Gregor was treibt, o sprich,
Zu so vermessenen Worten dich?"

"Ja, wehe! ich bin ein Fürstensohn,
Und doch geboren für keinen Thron!
Der Eltern schwerem sündigem Vergehn
Sollt' ich durch Busse Verzeihung erflehn!

Noch hab' ich gebetet, gebüßet nicht,
Noch ruht auf ihnen der Sünge Gewicht!"
"Du hast mir nie deiner Heimat Land,
Mir nie den Namen der Eltern genannt?"

"Fremd blieben mir Land und Eltern bis jetzt:
Als ein Kindlein ward ich ausgesetzt,
Es trieb die See ein Kästchen ans Land,
Darin ein Fischer den Knaben fand."

"Weh, Knabe, und kenn ich dein enges - 
Gemach, doch künde mir du deiner Eltern Schmach."
"Vernimm, denn, o Weib - doch starre mir nicht
So ängstlich fragend ins Gesicht -
Daß meine Mutter, - verstumme, mein Mund,
Und mache den Frevel niemals kund -
Daß meine Mutter in Liebe ein Jahr
Dem eigenen Bruder ergeben war!"

"Das Kreuz, Gregor, o qualvoller Tag!
Das Pergament bringe mir, das bei dir lag!"
Er brachte schleunig das Pergament:
"Sag, Königin, ob Ihr die Schrift hier kennt?"

Er brachte das goldne Kreuz herbei,
Sie stürzte zur Erde mit lautem Schrei.
Sie raufte verzweifelnd das dunkle Haar:
"Verflucht die Stunde, die dich gebar,
Verflucht du König! verflucht dein Weib,
Das selber dich trug in seinem Leib!"

Ohnmächtig lag sie. Ihr Sohn Gregor
Schritt schweigend hinaus vor des Schloßes Tor.


4. Ein Klippeneiland liegt im Meer

Language: German

Authorship


Ein Klippeneiland liegt im Meer,
Die Stürme sausen drüberher,
Die Wogen sprützen drüber hin,
Nicht Baum noch Kräuter wachsen drin.

Dort haust ein Siedler manch ein Jahr;
Sein Kleid, das ist sein eignes Haar,
Sein Pfühl, das ist der harte Stein,
Sein Dach, das ist der Wolken Reihn.

Das ist Gregors unfürstlich Haus,
Der singet in die Nacht hinaus:
»Der Sinn ist leer, die Welt ist fern,
Ich liege hier vor meinem Herrn!
Der Du mich hast Jahr aus Jahr ein
Bewahrt auf diesem öden Stein;
Und mich ernährt mit diesem Moos,
Nimm auf mich in der Gnaden Schoß!

Du hast ein makelloses Lamm
Erhöhet an des Kreuzes Stamm;
Du gossest aus ein teures Blut,
Das allerwegen Wunder tut:
Laß, Herr der Gnaden und der Huld,
Abwaschen es auch unsre Schuld.
Noch fesselt uns des Todes Band,
Du bist es, der ihn überwand.

Du fester Fels, du starker Hort,
Ich zweifle nicht an Deinem Wort: 
Laß kommen uns nach dieser Zeit
Dein Reich der Kraft und Herrlichkeit.«


5. Wie bräutlich glänzt das heilige Rom

Language: German

Authorship


Wie bräutlich glänzt das heilige Rom!
Wie festlich woget der Menschenstrom!
Wer wird mit dreien Kronen geziert?
Zu Petri hohem Stuhle geführt?

Das ist der Büsser, das ist Gregor,
Ihn hub des Herren Hand empor!
Wer ist die Pilgerin, schwach und alt,
Die zu den sieben Hügeln wallt?

Sie rastet nicht, sie labt sich nicht,
Es ruht auf ihr ein schwer Gewicht.
Und in dem Beichstuhl sitzt Gregor
Und neigt zur Pilgerin sein Ohr.

Doch als das Weib die Beichte spricht,
Wie freudig glänzt sein Angesicht!
»Durch meines heil'gen Amtes Kraft
Lös' ich dich aus der Sünden Haft!«
»Du läßest Deinen Diener nun,
O Herr der Huld, in Frieden ruhn!«


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