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9 Reinick-Lieder

Song Cycle by Hugo Wolf (1860-1903)

English translation: 9 Reinick Lieder


1. Wohin mit der Freud'?

Language: German

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    * ITA Italian (Ferdinando Albeggiani)

Ach du klarblauer Himmel,
Und wie schön bist du heut'!
Möcht' ans Herz gleich dich drücken
Voll Jubel und Freud'.
Aber 's geht doch nicht an,
Denn du bist mir zu weit,
Und mit all' meiner Freud' 
Was fang' ich doch an?

Ach du lichtgrüne Welt,
Und wie strahlst du voll Lust!
Und ich möcht' gleich mich werfen
Dir voll Lieb' an die Brust;
Aber 's geht doch nicht an,
Und das ist ja mein Leid,
Und mit all' meiner Freud',
Was fang' ich doch an?

Und da sah ich mein Lieb
Am Kastanienbaum stehn,
War so klar wie der Himmel,
Wie die Erde so schön,
Und wir küßten uns beid',
Und wir sangen voll Lust,
Und da hab' ich gewußt,
Wohin mit der Freud'!


2. Liebchen, wo bist du?

Language: German

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    * ITA Italian (Ferdinando Albeggiani)

Zaubrer bin ich, doch was frommt es?
Denn mein Lieb ist eine Fee,
Höhnt mich mit noch ändern Zauber,
Ruf' ich freundlich sie herbei:
Liebchen, wo bist du?

Heute noch in Feld und Garten
Ging ich, sie zu suchen, aus:
Plötzlich lacht aus einer Rose
Glühend rot ihr Mund heraus!
Liebster, da bin ich!

Ich nun ward ein schneller Zephir,
Küßt im Flug die Rose schon -
Ach, nur eine Rose küßt' ich,
Liebchen war daraus entflohn.
Liebchen, wo bist du?

Horch, da sang am Waldesufer
Plötzlich eine Nachtigall;
Wohlbekannt war mir die Stimme
Und sie sang mit süßem Schall:
Liebster, da bin ich!

Schnell zum Abendstern verwandelt,
Blickt' ich durch die grüne Nacht.
Ach, den leeren Busch erblickt' ich,
Liebchen hat sich fortgemacht.
Liebchen, wo bist du?

Und so treibt sie's alle Tage,
Läßt mir eben jetzt nicht Ruh',
Während dieses Lied ich singe,
Ruft sie unsichtbar mir zu:
Liebster, da bin ich!

Liebchen, mach dem Spiel ein Ende!
Komm nun endlich selbst herbei!
Glaub', ein einzger Kuß ist schöner
Als die ganze Zauberei!
Liebchen, wo bist du?


3. Nachtgruß

Language: German

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    * ITA Italian (Ferdinando Albeggiani)

In dem Himmel ruht die Erde,
Mond und Sterne halten Wacht,
Auf der Erd' ein kleiner Garten
Schlummert in der Blumen Pracht.
Gute Nacht, gute Nacht!

In dem Garten steht ein Häuschen,
[Still]1 von Linden überdacht;
[Vor dem kleinen]2 Erkerfenster
Hält ein [Vogel]3 singend Wacht.
Gute Nacht, gute Nacht!

In dem Erker schläft ein Mädchen,
[Träumet]4 von der Blumenpracht;
Ihr im Herzen ruht der Himmel,
D'rin die [Engel]5 halten Wacht.
Gute Nacht, gute Nacht!

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1 Blodek: "wild"
2 Wolf: "Draußen vor dem"
3 Blodek: "Vöglein"
4 Blodek: "träumend"
5 Blodek: "Englein"


4. Frühlingsglocken

Language: German

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    * ITA Italian (Ferdinando Albeggiani)

Schneeglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ei, gar ein lustig Ding!
Der Frühling heut' geboren ward,
Ein Kind der allerschönsten Art;
[Zwar liegt es]1 noch im weißen Bett,
Doch spielt es schon so wundernett,
Drum kommt, ihr Vögel, aus dem Süd'
Und bringet neue Lieder mit!
Ihr Quellen all, erwacht im Tal!
Was soll das lange Zaudern?
Sollt mit dem Kinde plaudern!

Maiglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Frühling ist Bräutigam!
Macht Hochzeit mit der Erde heut'
Mit großer Pracht und Festligkeit.
Wohlauf denn, Nelk' und Tulipan,
Und schwenkt die bunte Hochzeitfahn'!
Du Ros und Lilie, schmückt euch fein!
Brautjungfern sollt ihr heute sein!
Schmetterling, sollt bunt und flink
Den Hochzeitreigen führen,
Die Vögel musizieren!

Blauglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ach, das ist gar zu schlimm!
Heut' nacht der Frühling scheiden muß,
Drum bringt man [ihm]2 den Abschiedsgruß,
Glühwürmchen ziehn mit Lichtern hell,
Es rauscht der Wald, es klagt der Quell,
Dazwischen singt mit süßem Schall
Aus jedem Busch die Nachtigall
Und wird ihr Lied so bald nicht müd',
Ist auch der Frühling schon so ferne -
Sie hatten ihn alle so gerne!

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1 Dresel: "Es liegt zwar"
2 Dresel: "ihrer"


5. Ständchen

Language: German

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Komm in die stille Nacht!
Liebchen, was zögerst du?
Sonne ging längst zur Ruh',
Welt schloß die Augen zu,
Rings nur einzig die Liebe wacht!

Liebchen, was zögerst du?
Schon sind die Sterne hell,
Schon ist der Mond zur Stell',
Eilen so schnell, so schnell!
Liebchen, ach Liebchen, drum eil' auch du.

Sonne ging längst zur Ruh!
Traust wohl dem Schimmer nicht,
Der durch die Blüten bricht?
Treu ist des Mondes Licht.
Liebchen, mein Liebchen, was fürchtest du?

Welt schloß die Augen zu!
Blumen und Blütenbaum
Schlummern in süßen Traum,
Erde, sie atmet kaum,
Liebe nur schaut dem Liebenden zu!

Einzig die Liebe wacht,
Ruft dich allüberall.
Hör die Nachtigall,
Hör meiner Stimme Schall,
Liebchen, o komm in die stille Nacht!


6. Liebesbotschaft

Language: German

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Wolken, die ihr nach Osten eilt,
Wo die eine, die Meine weilt,
All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen
Sollen auf eure Flügel sich schwingen,
Sollen euch, Flüchtige, zu ihr lenken,
Daß die Züchtige
meiner in Treuen mag gedenken.

Singen noch Morgenträume sie ein,
Schwebet leise zum Garten hinein,
Senket als Tau euch in schattige Räume,
Streuet Perlen auf Blumen und Bäume,
Daß der Holdseligen, kommt sie gegangen,
All die fröhlichen Blüten
Sich öffnen mit lichterem Prangen.

Und am Abend in stiller Ruh',
Breitet der sinkenden Sonne euch zu!
Mögt mit Purpur und Gold euch malen,
Mögt in dem Meere von Gluten und Strahlen
Leicht sich schwingende Schifflein fahren,
Daß sie singende Engel
Glaubet auf euch zu gewahren.

Ja, wohl möchten es Engel sein,
Wär mein Herz gleich ihrem rein;
All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen
Zieht ja dahin auf euren Schwingen,
Euch, ihr Flüchtigen, hinzulenken
Zu der Züchtigen,
Der ich einzig nur mag gedenken.


7. Gesellenlied

Language: German

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"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Und das ist auch ein großes Glück!
Der Meister sind schon viel zuviel;
Wenn noch ein Schock vom Himmel fiel',
Wie würden uns Gesellen
Die vielen Meister prellen
Trotz unserm Meisterstück!

"Kein Meister fällt vom Himmel!" 
Gottlob, auch keine Meisterin!
Ach, lieber Himmel, sei so gut,
Wenn droben eine brummen tut,
Behalte sie in Gnaden,
Daß sie zu unserm Schaden
Nicht fall' zur Erden hin!

"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Auch keines Meisters Töchterlein!
Zwar hab' ich das schon lang' gewußt,
Und doch, was wär' das eine Lust,
Wenn jung und hübsch und munter
Solch Mädel fiel' herunter
Und wollt' mein Herzlieb sein!

"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Das ist mein Trost auf dieser Welt;
Drum mach' ich, daß ich Meister werd',
Und wird mir dann ein Weib beschert,
Dann soll aus dieser Erden
Mir schon ein Himmel werden,
Aus dem kein Meister fällt.


8. Skolie

Language: German

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    * ITA Italian (Ferdinando Albeggiani)

Reich den Pokal mir schäumenden Weines voll,
Reich mir die Lippen zum Kusse, die blühenden,
Rühre die Saiten, die seelenberauschenden!
Feuer des Mutes brennt im Pokale mir,
Gluten der Liebe glühn auf der Lippe dir,
Flammen des Lebens rauschen die Saiten mir.
Woge des Kampfes, reiß in die Brandung mich!
Wogen der Liebe, hebt zu den Wolken mich!
Schäumendes Leben, jubelnd begrüß ich dich!


9. Frohe Botschaft

Language: German

Authorship

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    * ITA Italian (Ferdinando Albeggiani)

Hielt die allerschönste Herrin
Einst mein Herz so eng gefesselt,
Daß kein Wort es konnte sprechen
Aus den engen Fesseln.

Sandt' es ab als flinke Diener
Feurig schnelle Liebesblicke,
Zu besprechen sich im stillen
Mit der Herrin Blicken.

Sandt' es Pagen, fein und listig;
Heimlich schlichen hin die Finger,
Schmiegten leise sich und bittend
An die schönsten Finger.

Sandt' es ab zwei kühne Boten;
Sind die Lippen gar verwogen
An der Herrin Mund geflogen,
Botschaft sich zu holen.

Nun, ihr Boten, Pagen, Diener,
Welche Botschaft bringt ihr wieder?
Haben Augen, Finger, Lippen
Nichts mir zu verkünden?

Und voll' Freuden rufen alle:
Juble, Herz, und laß das Zagen,
Deine Herrin sendet Gnade,
Deine Bande fallen!


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