1. Klage I
Language:
German
Authorship
Based on
In leisen Trauerklagen
entströmt das Lied der Brust,
jetzt wiegt nach goldnen Tagen
nur schwerer mein Verlust.
In Seufzen fliehn vorüber
die Jahre trüb' und trüber.
Wo ward solch Los hienieden
von harter Schicksals Hand,
wo solcher Schmerz beschieden
der, die nur Glück gekannt:
daß sie ihr Heil gewahre
im Sarg und auf der Bahre!
Daß in des Lenzes Stunde,
in frischer Blütezeit,
das Weh so schwerer Wunde
sie stürzt in Traurigkeit,
daß nichts sie mehr erfreue
als Sehnsucht nur und Reue!
2. Klage II
Language:
German
Authorship
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Was mir einst Lust gewährte,
hat Kummer jetzt gebracht:
der Tag, der sich verklärte,
bleibt schwarze, finstre Nacht,
kein Streben, kein Gelingen
regt meiner Wünsche Schwingen,
Vor Augen und im Herzen
Ein Bild nur schau ich hier,
das zeigt in Gram und Schmerzen
mein bleiches Antlitz mir,
mein Antlitz veilchenfarben
so sind der Liebe Farben.
Dem Leide zu entfliehen,
wall' ich von Ort zu Ort,
doch, mag ich fürder ziehen,
es folgt mir immer fort.
So muß mir Trost und Schrecken
die Einsamkeit erwecken.
3. Klage III
Language:
German
Authorship
Based on
Und sei es, wo auch immer:
im Wald, am grünen Hang,
beim ersten Tagesschimmer,
beim Sonnenniedergang,
das Herz denkt nur des Einen,
der nie mehr soll erscheinen.
Lenk' ich zu Himmelsauen
die Blicke tränenschwer,
dann aus den Wolken schauen
die süßen Augen her.
Wie aus dem Grabe schauen
sie aus der Flut, der blauen.
Wenn Traum, der leidvertraute,
an meinem Lager steht,
dann hör' ich seine Laute,
sein Atem mich umweht;
wohin ich wachend spähe:
Er weilt in meiner Nähe.
4. Abschied von der Welt
Language:
German
Authorship
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Available translations (or transliterations, if applicable):
Was nützt die mir noch zugemess'ne Zeit?
Mein Herz erstarb für irdisches Begehren,
Nur Leiden soll mein Schatten nicht entbehren,
Mir blieb allein die Todesfreudigkeit.
Ihr Feinde, lasst von eurem Neid:
Mein Herz ist abgewandt der Hoheit Ehren,
Des Schmerzes Übermass wird mich verzehren;
Bald geht mit mir zu Grabe Hass und Streit.
Ihr Freunde, die ihr mein gedenkt in Liebe,
Erwägt und glaubt, dass ohne Kraft und Glück
Kein gutes Werk mir zu vollenden bliebe.
So wünscht mir bess're Tage nicht zurück,
Und weil ich schwer gestrafet werd' hienieden,
Erfleht mir meinen Teil am ew'gen Frieden!
Input by Ted Perry
4. Klage IV
Language:
German
Authorship
Based on
Nichts von den Dingen allen,
wie schön sich's immer bot,
Nichts will mir mehr gefallen,
das Herz ist kalt und tot.
Glück kann ich nicht ersehnen,
in Kummer froh und Tränen!
Verklingen laß die Klagen,
mein Lied, du kannst auf's Neu'
nur stets das Eine sagen:
Ist Liebe wahr und treu,
wird nie der Trennung Leiden
das Herz vom Herzen scheiden.
5. Maria Stuart's Abschied von Frankreich
Language:
German
Authorship
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Available translations (or transliterations, if applicable):
Ich zieh dahin, dahin!
Ade, mein fröhlich Frankenland,
Wo ich die liebste Heimat fand,
Du meiner Kindheit Pflegerin!
Ade, du Land, du schöne Zeit.
Mich trennt das Boot vom Glück so weit!
Doch trägt's die Hälfte nur von mir;
Ein Teil für immer bleibet dein,
Mein fröhlich Land, der sage dir,
Des Andern eingedenk zu sein! Ade!
Input by Ted Perry
5. Gebet
Language:
German
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O Gott, mein Gebieter, ich hoffe auf dich!
O Jesu, Geliebter, nun rette du mich!
Im harten Gefängnis, in schlimmer Bedrängnis
Ersehne ich dich;
In Klagen, dir klagend, im Staube [verzagend]1,
Erhör', ich beschwöre, und rette du mich!
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1 Raff: "vergehend"
Input by Ted Perry
6. An die Dame I
Language:
German
Authorship
Based on
Wenn Schmerz uns zieren kann
und Trübsinn Witz verleiht,
ist auf der Welt kein Mann
mir gleich an Herrlichkeit.
Wenn Denkenslast befreit
mein traurig Herz von Sorgen,
dann hab' ich Freud' allzeit
am Abend und am Morgen.
Wenn Grämen Lust erringt,
bin ich voll Zuversicht,
wenn Fernsein näher bringt,
tu' ich auf Leid Verzicht;
wenn der, dem Ruh gebricht,
der Zweifel ledig wär',
fühl' ich Beschwerniss nicht
in Freuden immermehr.
7. An die Dame II
Language:
German
Authorship
Based on
Das macht mir bittre Pein,
und treibt mich hin und her:
Umsonst wird Alles sein!
So ging's schon Manchem mehr!
Mir bracht's nur Herzbeschwer,
daß ich gedient der Süßen:
Geh' ich dem Feuer nähr',
durch Hitze muß ich büssen.
So trägt die Taube Gram,
die ihren Tauber mißt,
als ich durch sie bekam;
doch treuergeben ist
mein Herz zu aller Frist
bis in den Tod geweiht
der Dame, die da ist
Quell aller Sittsamkeit.
Der Süßen tue dar,
was mich ohn' Ende plagt:
Daß, seit sie ferne war,
mir keine Lust behagt,
daß stets mein Herze klagt,
und mir in Sorgen bricht,
bis mir ihr Antlitz tagt.
Ade! Ade! Mehr sag' ich nicht.
8. David Riccio's letztes Lied
Language:
German
Authorship
Based on
Herrin! Dein sterngleich Aug' allein
leiht meiner Seele Licht!
Dein Mund in süßen Melodein
Lieb' oder Gnade spricht.
Der Liebe Sclave knie' ich hin,
Maria! du meiner Seele Königin!
Die Berg' in deinem Heimatland
sind kalt und grau und leer:
Nicht länger weil' am Nebelstrand,
Mein Haus liegt fern am Meer
dort rollt die Woge blau dahin,
Maria! du meiner Seele Königin!
Für dich erblüht die Rose dort
der Zitherklang erwacht:
Dann raubet nicht der rauhe Nord
dir deine Blütenpracht.
O fliehe bald und zieh' dahin,
Maria! du meiner Seele Königin!
9. Nach der Geburt ihres Sohnes
Language:
German
Authorship
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Herr Jesu Christ, den sie gekrönt mit Dornen,
Beschütze die Geburt des hier Gebor'nen.
Und [sei's]1 dein Will', lass sein Geschlecht zugleich
Lang herrschen [noch in diesem]2 Königreich.
Und alles, was geschieht in seinem Namen,
Sei dir zu Ruhm und Preis und Ehre, Amen.
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1 Raff: "so's"
2 Raff: "über dieses"
Input by Ted Perry
10. Vor dem Gang zum Schaffot
Language:
German
Authorship
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Mein Jugendlenz ist nur ein Sorgenfrost,
mein Freudenfest ist nur ein Leidpokal,
mein Erntefleiß ist nur ein Feld voll Rost,
und all mein Gut ist Irrlichschein zumal.
Der Tag ging hin ich sah kein Licht der Sonnen,
ich lebe noch mein Leben ist verronnen.
Die Blüt' ist hin, doch kann sie nie zum Blüh'n,
die Jugend schwand und doch, wie jung bin ich,
die Frucht ist tot doch sind die Blätter grün,
ich sah die Welt doch nimmer sah sie mich.
Mein Faden reißt doch ward er nicht gesponnen,
ich lebe noch mein Leben ist verronnen.
Mein Wiegenlied ward mir zum Sterbesang,
mein Lebensbild ein Schatten war's, mehr nicht,
mein Erdengang lief meinem Grab entlang,
nun kommt der Tod nun trat ich kaum an's Licht.
Das Glas ist voll, mein Glas ein trockner Bronnen,
ich lebe noch mein Leben ist zerronnen.
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