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Sechs Lieder für Bariton mit Begleitung von Violine und Klavier

Song Cycle by Louis [Ludwig] Spohr (1784-1859)


1. Abendfeier

Language: German

Authorship


Leise schleich' ich mich am Abend
In die Laube von Jasmin,
Wenn die lauen Lüfte labend
Durch die grünen Blätter zieh'n.

Wenn der Mond in Silberhelle
Sich dort spiegelt in der Flut,
Plätschernd kräuselt sich die Welle,
Und die ganze Schöpfung ruht.

Lausch dem Sang der Nachtigallen,
Der so wohltut meinem Sinn;
In's Gemüt will mir da fallen
Eine Wehmut, daß ich bin!

Und es schweift mein Blick nach oben
Zum besternten Himmelszelt;
Meinen Schöpfer will ich loben,
Groß und schön ist seine Welt!


2. Jagdlied

Language: German

Authorship


Seht ihr's dort funkeln in rötlicher Pracht?
Es leuchtet das Frührot so milde;
Auf, auf, ihr Schläfer! Die Aue lacht,
Schon lebt's im Hain, im Gefilde.

So blinzelt nicht länger, vorbei ist die Ruh',
Die Jagd beut schönere Stunden,
Wir eilen dem schattigen Walde zu,
Umbellt von lustigen Hunden.

Gut schmeckt es im Grünen bei fröhlicher Rast,
Viel besser als in den vier Wänden;
Die mächtige Eiche ist unser Palast,
Ihr Schatten wird Kühlung uns spenden.

Den Durstigen labt die Quelle mit ihrem Trank,
Es rufen die Hörner in Chören;
Wir klettern hinauf bis zum buschigen Hang
Durch Brombeer, Ranken und Föhren.

Dort ziegt sich der Eber, das Hirschengeweih,
Sie nah'n sich der rieselnden Quelle,
Und krachend trifft sie das tödliche Blei,
Es bleibt das Tier auf der Stelle.

So geht es bis an die nahende Nacht,
Die Jagd macht uns rüstig und munter;
Am Abend ist lustiges Waidwerk vollbracht,
Froh geht's zur Heimat hinunter.


3. Töne

Language: German

Authorship


Worte hab' ich nicht, um dir zu sagen,
Was für dich in meinem Herzen glüht;
Worte find' ich nicht, um dir zu klagen,
Welche Sehnsucht mir die Brust durchzieht.

Höre denn der Saiten leises Flehen,
Höre denn der Töne starken Klang,
Liebe flüsternd wie des Windes Wehen,
Brausend wie der Strom in seinem Drang.

Wenn sie dir dann meine Botschaft bringen,
Und du hörst auf ihre Zeichen nicht,
Mögen sie verrauschen und verklingen
Und es löscht der letzten Hoffnung Licht.


4. Erlkönig

Language: German

Authorship

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Available translations (or transliterations, if applicable):


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er [hat]1 den Knaben wohl in dem Arm,
Er [faßt]1 ihn sicher, er hält ihn warm.

»Mein Sohn, was birgst du so [bang]2 dein Gesicht?« -
»Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?«
»Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.«

"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
[Manch bunte Blumen sind an dem Strand]3,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

»Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir [leise]4 verspricht?«
»Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:
In dürren Blättern säuselt der Wind.«

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

»Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?«
»Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.«

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
»Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!«

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh' und Not:
In seinen Armen das Kind war tot.

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1 Spohr: "hält"
2 Spohr: "scheu"
3 Spohr: "Viel bunte Blumen sind am Strand"
4 Spohr: "heimlich"

Input by Ofer Sheinberg


5. Der Spielmann und seine Geige

Language: German

Authorship


Vor Gottes Aug', dem Abendrot, 
Gab sie mir Ring und Schwur;
Der Ring zersprang, die Treu' ist tot,
Mir blieb die Sehnsucht nur.

Ein Stutzer lockte frech und leicht
Mit süßem Flitterton;
Sie folgte, lächelnd ward verschenkt
Mein brechend' Herz zum Lohn.

Durch schwarz' Gewölk die Sonne blinkt!
Freud' steht mit Leid im Bund; -
Mein Gram lebt ewig, nimmer sinkt
Sein Thron am bleichen Mund.

Lös', Geige, der Dämonen Schar,
Es winkt mein Zauberstab, -
Stürm, Wahnsinn, dunkles Schlangenhaar,
Sei meiner Leiden Grab!

Doch leise, Äolsharfen gleich,
Besänftigt sie mein Herz;
Ihr Seelenklang, an Balsam reich,
Stillt meinen tiefen Schmerz.


6. Abendstille

Language: German

Authorship


Der Tag hat sich zur Ruh' gelegt,
Die Lüfte schlummern allzumal;
Kaum daß ein Blatt im Wald sich regt,
Und kaum ein Halm im Wiesental.

Ein milder, warmer Sommerhauch
Durchzieht den mondbeglänzten Wald,
Und über meine Seele auch
Kommt Frieden dann und Ruhe bald.

O stille, heit're, milde Nacht,
Wenn tief die Welt in Schlummer liegt,
Wo lichter Engel nur bewacht,
Die Seele endlich heil sich wiegt.


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